Ach, was haben wir gut geschlafen. Endlich wieder ein ordentliches Motelzimmer, sauber und recht geräumig. Der Typ an der Rezeption war auch total knuffig. Ein älterer Inder, der Jonas und mir in gebrochenem Englisch versucht hat zu erklären, wo wir was unterschreiben müssen und wann wir auschecken sollen. Verstanden haben wir fast nichts, was auch daran gelegen hat, dass dem Guten unter anderem die Schneidezähne gefehlt haben. Draußen mussten wir uns erstmal kaputtlachen, weil wir uns beide während des Eincheckens ziemlich zügeln mussten, nicht bereits da laut loszulachen. Nach dem Mäcces-Frühstück direkt neben dem Motel (wir dachten wir hätten Frühstück gebucht. Hatten wir auch, der Inder hatte uns aber bereits abends jeweils zwei Gutscheine für ein McDonalds-Frühstück in die Hand gedrückt. Das habe ich so auch noch nicht erlebt, aber gut...) hat er uns dann noch am Parkplatz mit den Worten: “Ju livi?“ („Are you leaving?“) und seinem gewinnenden Lächeln die Zimmerkarten abgenommen.
| Alles verschneit und schön blauer Himmel, zumindest am Anfang... |
Der Weg von Fresno in den berühmten Yosemite-Nationalpark, im zentralen Hochgebirge der Sierra Nevada gelegen, ist recht kurz. Wieder fährt man am Fuße des Gebirges an satt grünen Wiesen vorbei, die erst in über tausend Metern höhe den Steinen weichen. Es hat in den letzten Tagen auch hier reichlich Neuschnee gegeben und das Yosemite-Valley ist daher von allen Zugängen nur über Pässe zu erreichen, die komplett eigeschneit sind. Die Ketten ziehen wir an einer Art Checkpoint auf, der von einem Park-Ranger kontrolliert wird, der einen freundlich darauf hinweist, dass man ohne Hilfsmittel nichtmehr weit kommt.
Sobald man aber über den Pass gefahren ist, sind die Straßen (im Gegensatz zu denen im Kings Canyon) im Valley vorbildlich geräumt und gestreut. Hier waren die Schneeketten eher hinderlich, sie machen auf Asphalt nur Krach und schneller als 30 mph sollte man damit auch nicht fahren. An den zahlreichen Aussichtspunkten, die man auf dem Weg durch den Park passiert, sind die beeindruckenden Granitfelsen (Half Dome, El Capitan) und Wasserfälle (Yosemite und Bridalveil Falls) recht gut zu sehen.
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| Nebenschwaden ziehen durchs Valley. Links der eindrucksvolle El Capitan, rechts die Cathedral Rocks mit den Bridalveil Falls. |
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| Der Lower Yosemite Fall. |
Zunächst hatten wir noch etwas blauen Himmel, der sich dann aber immer mehr zuzog und nurnoch wenig Licht für gute Fotos lieferte. Später schneite es dann wieder recht heftig, besonders auf dem Weg in Richtung Sacramento, bei dem man den teils recht steilen Anstieg aus dem Valley bewältigen muss. Wir hatten heute allerdings schon gutes Wetter im Park. Heute morgen haben wir noch zwei Deutsche getroffen, die gestern schon dort waren und wegen des starken Schneefalls gar nicht reinfahren konnten.
Im Sommer, wenn der Schnee weggetaut ist und die tief hängenden Wolken und Nebelschwaden verschwunden sind, muss es in diesem Gebiet nahezu magisch sein. Nicht umsonst gehört Yosemite zum UNESCO Weltnaturerbe und ist weltweit für seine Artenvielfalt und die unglaubliche Landschaft bekannt.
Auf der Weiterfahrt nach Sacramento, dem Regierungssitz Kaliforniens, ging es durch die grünsten Wiesen die ich bisher gesehen habe. Überall weiden Kühe und das mediterrane Klima hat eine ganz besondere Landschaft mit malerischen Hügeln und kleinen Bächen und Seen geschaffen. Kaum vorzustellen, dass nur einige Meilen weiter der tiefste Winter mit Temperaturen unter dem Nullpunkt herrscht. Zum Abendbrot haben wir uns Pizza aufs Motelzimmer bestellt, weil wir Hunger auf Pizzza und keine Lust hatten uns irgendwohin zu bewegen. Das scheint die einsetzende Amerikanisierung zu sein. Wenn wir wieder in Deutschland sind, kaufen wir uns wahrscheinlich solche Elektro-Carts für Rentner und lassen Treppenlifte installieren...
| Kalifornien mediterran: Grüne Wiesen, Flüsse und Seen. Vom Schneegestöber weiter oben keine Spur. |
Morgen kurven wir durch die Hügel des Napa-Valley, dem bekannten Weinanbaugebiet und erreichen endlich San Francisco. Darauf freuen wir uns schon die ganze Zeit. Die langen Touren haben wir hinter uns, jetzt haben wir endlich Urlaub ;)
Gute Nacht aus der State Capitol!


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