| Durchfahrt zum Kings Canyon gesperrt - und Ketten braucht man auch... |
Tach zusammen!
Wie der Wetterbericht bereits vermuten ließ, ist heute unserer Gut-Wetter-Serie gerissen. Das erste Mal seit Beginn unserer Rundreise mussten wir Sonne und angenehm milde Temperaturen gegen Regen, Wind und Kälte tauschen. Aber das hatten wir uns ja selbst eingebrockt. Von Bakersfield ging es durch die sogenannte ‚Kornkammer‘ der USA. Hier wird ein Großteil des in den Vereinigten Staaten verzehrten Obst und Gemüse sowie Wein und Oliven angebaut. Das Klima ist dafür wie geschaffen, die Temperaturen sind recht mild, es gibt reichlich Sonne, aber auch genügend Niederschläge. Bis nach Visalia, von wo aus man in den Sequoia Nationalpark fährt, säumen riesige Plantagen mit dem oben Genannten die Straßen.
Erlaubt oder nicht: Zwei Orangen haben wir gepflückt und werden sie morgen mal zum Frühstück verspeisen. Zu Beginn erinnert die Landschaft auf dem Weg in die eigentlich zusammenhängenden Parks an eine Mischung aus mediterranem Klima und englischen Graslandschaften. Über allem hängen bedrohliche Wolken, ab und zu regnet es und uns schwant, dass es keine gemütliche Fahrt durch die Nationalparks werden wird. Am Eingang zum Sequoia Nationalpark in Three Rivers ist der erste Anlauf dann auch schon zuende: Die Verbindungsstraße zwischen Kings Canyon und Sequoia ist gesperrt, wir sollen lieber umdrehen und weiter nördlich direkt in den Kings Canyon fahren. Schneeketten wurden uns in einem Atemzug auch noch ans Herz gelegt.
An der nächsten Tanke fragen wir mal vorsichtig nach, was der Spaß mit den ketten denn so kosten soll. Leihen: 40 Dollar. Kaufen: 60-110 Dollar...leihen macht wenig Sinn, an der Tanke kommen wir ja nie wieder vorbei. Also gurken wir erstmal den ganzen Weg zurück nach Visalia, um uns am Kings Canyon zu versuchen.
| ...also eingekauft und dran damit! |
In Squaw Valley hatten wir gehofft ebenfalls Ketten leihen zu können, auf dem Rückweg nach Fresno, unserem nächsten Stop, könnten wir die Dinger schließlich wieder abgeben. Der Auto-Service dort hat jedoch noch sage und schreibe ein (!) Paar in unserer Reifengröße da, Leihen geht aber nicht. Für 53 Dollar nehmen wir die nötigen Metallteile aber auch so mit. Wie sich herausstellte, war das eine ganz gute Entscheidung. Bereits auf über tausend Metern Höhe ist am Straßenrand der erste Schnee zu erkennen. Auch die von unten so bedrohlich wirkenden Wolken kommen immer näher und sind eigentlich Höhennebel.
Nachdem mehrere Schilder auf das Anlegen der Schneeketten hingewiesen hatten, kramen wir die Schnäppchen dann auch wirklich raus und haben sie nach einer knappen Viertelstunde auch schon fest um die Reifen geklemmt. So wird der eigentlich nervenaufreibende Anstieg zum Kinderspiel. Je höher wir kommen, umso tiefer wird der Schnee. Die Außentemperatur fällt von etwa 15°C auf unter Null. So langsam haben wir wirklich nahezu alle Klimazonen des unfassbar vielfältigen Kalifornien gesehen und erlebt.
| Oben sieht es dann schon anders aus, düster und verschneit |
| Jessi auf dem Weg zum General Grand Tree |
Am Visitor Center auf etwa 2300 Metern angekommen schneit es dann recht ordentlich und unser Schuhwerk ist dem recht tiefen Schnee nicht wirklich angepasst. Jessi ist sogar nur mit Rock und Strumpfhose durch den streckenweise fast knietiefen Neuschnee gatapert. Den Fußweg zum ‚General Grant Tree‘ haben wir natürlich trotzdem auf uns genommen, nasse Füße hin oder her. Schließlich gibts es einen der größten lebenden Organismen auf diesem Planeten zu sehen. Um auf eine Höhe von über 80 Metern anzuwachsen, brauchte dieser Sequoia-Baum Schätzungen zufolge nur schlappe 1650 Jahre. Dass er wirklich so riesig ist, sieht man allerdings kaum, weil der komplette Wald aus unfassbar großen Bäumen besteht. Erst wenn man verzweifelt versucht, das Ding komplett auf ein einziges Foto zu bekommen, erkennt man seine Dimensionen.
Auf dem Weg nach Fresno konnten wir erneut die sich mit jedem Höhenmeter verändernde Landschaft geniessen. Achso, heute war übrigens der erste Tag, an dem wir mal nicht tanken mussten. Die Wege hier sind echt lang und trotzdem wir unseren kleinen Panzer nur sanft treten (wir brauchen nur um die 10l auf 100 Kilometer) ist der Tank ratzfatz leer. Das Hotelzimmer in dem wir grade sitzen ist echt angenehm geräumig und vor allem sehr sauber. Im Gegensatz zum Drecksloch von gestern. Selbst Jonas berechtigte Kritik zur Sauberkeit der Zimmer wollte der verschlafene „Hotelchef“ nicht annehmen und hat den beiden ein anderes Zimmer verwehrt. Heute morgen hat er sich zwar entschuldigt, das California Best Inn in Bakersfield würden wir trotzdem nicht wieder buchen.
Morgen sehen wir hoffentlich einige schöne Wasserfälle im Yosemite Nationalpark, am Schneegestöber solls nicht liegen, die Ketten liegen im Kofferraum. Wie man sie aufzieht haben wir ja heute schon gelernt.
Machts gut!
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| Unfassbar große Bäume mit beeindruckendem Stammdurchmesser. Da komme selbst ich mir klein vor... |

Wenn wir nur annährend soviel Schnee im Oster-Urlaub hätten :-) ... Eine super schöne Tour !! Beeindruckende Bilder! Toll die Reise so zu verfolgen ..
AntwortenLöschenHi Jessi, top Outfit für so eine Schneewanderung. Damit kann man aber keinem Bären davonlaufen. Es sollen ja einige davon in den Nationalparks herumlungern.
AntwortenLöschenGruß W+J