Nachdem wir im Grand Canyon Village ziemlich mieses Internet hatten und das Hochladen der Bilder eine halbe Ewigkeit gedauert hat, hatten wir uns schon auf den erneuten Besuch in Las Vegas gefreut. Zuletzt mussten wir im (nur bedingt empfehlenswerten) Imperial Palace 10 Dollar für Internetzugang zahlen, das modernere und wirklich empfehlenswerte Flamingo Hotel wollte dann sogar 14 Dollar haben. Wir haben uns deshalb für einen Tag verabschiedet, Las Vegas nochmal richtig genossen und servieren euch heute ein Doppelpack. Ich habe mich vorgestern morgen tatsächlich um halb sechs aus dem Bett geschält, um mit hundert anderen Bekloppten bei etwa -10°C den Sonnenaufgang am ‚Mather Point‘, einem der zahlreichen Aussichtspunkte des Grand Canyon, zu bestaunen. Gelohnt hat sich die Warterei auf jeden Fall, allerdings habe ich mir für die Bilder auch fast die Eier abgefroren.
Gegen Mittag haben wir uns dann zusammen auf den Weg entlang des ‚Rim‘, den Rand des 450 Kilometer langen Grand Canyon gemacht. Bis zu einem gewissen Punkt kann man die Aussichtspunkte mit dem Auto selbst ansteuern, die letzten Stationen werden aber nur von kostenlosen Transferbussen angefahren. Man kann zwischendurch aussteigen und bis zur nächsten Station zu Fuß entlang der Kante wandern. Wir sind vom Powell Point losspaziert und konnten dabei einen guten Blick auf den tief unten im Canyon fließenden Colorado-River erhaschen. Wir hatten Pullis und Jacken gegen die erwartete Kälte mit, benutzen mussten wir davon allerdings nichts. Auf 2100 Metern Höhe waren gegen Mittag etwa 10°C, in der Sonne konnte man aber locker mit T-Shirt durch die Wildnis wandern. Die Aussicht an den verschiedenen Punkten unterscheidet sich dabei jedoch nicht nennenswert, sodass wir nach einigen Stationen die Rückfahrt angetreten haben.
Auf dem Weg zurück nach Las Vegas hatten wir ebenfalls Bombenwetter. Diesmal sind wir stilecht zum Einsetzen der Dämmerung am Südende des Strip in die Stadt der Sünde gefahren, haben am ‚Las-Vegas-Sign‘ Elvis gegrüßt und sind richtung Norden entlang der blitzenden und blinkenden Casinos bis zum Stratosphere Tower gefahren. Der 350 Meter hohe Turm hat eine Aussichtsplattform, von der aus man nicht nur den Strip runterschauen, sondern auch Bungee-Jumping oder Achterbahnfahren kann. Der Eintritt kostet zwar 16 Dollar, lohnt sich aber trotzdem.
Nachdem wir uns kurz auf dem Zimmer frisch gemacht haben und das ein oder andere Bud (die Jungs) beziehungsweise Wein (die Mädels) getrunken haben, sind wir wieder raus auf die selbst an Wochentagen prall gefüllte Spaßmeile. Nach einem kurzen Snack haben wir im Flamingo-Casino den Roulette-Tisch geentert, um mal etwas auf die Kacke zu hauen. Einen sitzen hatten wir eh schon, an die extra im Auto gepaukten Roulette-Regeln konnten wir uns aber noch grob erinnern. Man wirft dem Croupier einen Geldschein nach Wahl auf den Tisch (gibt man es ihm in die Hand, behält er es als Tip. Ziemlich blöd, wenn man 50 Dollar eigentlich setzen will...). Natürlich haben wir einen ‚günstigen‘ Tisch gewählt, bei dem der Mindesteinsatz bei 10 Dollar pro Runde liegt. Kurzzeitig war ich tatsächlich mal mit 9 Dollar im Plus, am Ende haben Jonas und ich aber trotzdem alles verschleudert. Mit den 100 Dollar, die wir gesetzt haben, hatten wir zumindest eine knappe halbe Stunde Spaß und die Gesellschaft am Tisch war auch ziemlich nett. Vermutlich spielen auch deshalb soviele Leute in den Casinos. Langeweile und Einsamkeit kommen niemals auf, irgendwer zockt immer und wer zusammen verliert, der trinkt auch zusammen. Bier gibt es übrigens kostenlos, solange man an einem der Automaten oder Spieltische zugange ist.
Heute morgen mussten wir uns entsprechend aus dem Bett quälen. Das Auschecken funktioniert im Flamingo witzigerweise über den Fernseher, so haben wir kostbare Zeit für den weiten Weg nach Bakersfield in Kalifornien gespart. Frühstück gabs im Auto. Überraschend leckere und günstige Sandwiches und dazu einen Starbucks-Kaffee aus dem sehr geilen ‚Vons‘-Supermarkt haben uns für die Fahrt gestärkt. Der Weg nach Westen führte mitten durch das Tal des Todes, in dem am 10. Juli 1913 mit 56,7°C die bisher höchste Temperatur gemessen wurde. Trotzdem wir in der perfekten Reisezeit unterwegs sind, war die Temperatur im ‚Badwater Basin‘ mit knapp über 30°C etwa doppelt so hoch wie außerhalb des Death Valleys. Getankt haben wir gottseidank schon in Pahrump, dort kostete die Gallone (3,8 Liter) nur etwa 3,7 Dollar. In Shoshone gibts dann die letzte Tankstelle vor dem Valley, wo man für dieselbe Menge direkt mal happige 6 Dollar auf den Tresen legen muss.
Das Death Valley ist schon sehenswert, allerdings sind wir von Superlativen geradezu verwöhnt: Das Monument Valley und der Grand Canyon bieten atemberaubende Ausblicke, dagegen kann das Death Valley nicht so ganz anstinken. Dennoch ist es eine schöne Erfahrung, mal am niedrigsten Punkt Kontinentalamerikas gestanden zu haben. Wenn man auf der bis zu 2 Meter dicken Salzkruste im Badwater Basin herumläuft, kommt es einem fast so vor als hätte es geschneit (wenn es nicht so heiß wäre). Unter den Schuhen knirscht es, die Sonne wird von der weißen Schicht reflektiert und man muss selbst mit Sonnenbrille die Augen zukneifen. Von unten ist die fast endlos scheinende Fläche schon beeindruckend, noch besser ist aber die Aussicht von oben.
‚Dantes View‘ erreicht man nach einer mehrere Meilen langen, steilen Fahrt auf fast 1700 Meter. Von dort bietet sich ein großartiger Blick über die Ausmaße des Badwater Basin. Die Straße auf der man zuvor noch fuhr ist nicht mehr als ein Strich, ausserdem braucht man hier oben wieder eine warme und am besten winddichte Jacke. Auf dem Weg dorthin kommt man am ‚Zabriskie Point‘ vorbei, der mit seinen Gesteinsformationen des vor neun Millionen Jahren ausgetrockneten Lake Zabriskie an eine Mondlandschaft erinnert. Ebenfalls sehenswert ist die ‚Artists Palette‘, eine Felsformation am ‚Artist’s Drive‘, die in verschiedenen, durch Metalle im Gestein hervorgerufenen Farben erstrahlt.
Morgen versuchen wir irgendwie in den Kings Canyon/Sequoia National Park zu kommen. Leider soll es bis zu 20 Zentimeter Neuschnee geben, Schneeketten werden empfohlen, liegen aber natürlich keinem Mietwagen aus LA bei. Mal sehen, ob wir den Generals Highway durch die Parks gefahrlos befahren können...
Schöne Grüße aus Bakersfield ;)




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